Soracte nagt.
Man hat gesagt: die Hölle, das sind die anderen
Und man begreift, wie recht man hatte
Der Vorhang fällt: Klaffend springt Begreifen auf
Und sprudelnd tritt die Masse vor und zwingt uns zu gefallen.
Wo die Geister verlorener Tage ihre Schatten dort verstecken,
Wo niemand sie suchen würde
Dort lass deine Sorgen im Liliental verschwinden
- und grab sie nie wieder aus.
Der Zwang der Blicke, durch die ihr Argwohn spricht
Macht jeden Tag zur Bürde, wenn man sich beugt
Die Tage raffen dahin, wenn man nur später lebt
– ein Leben lässt sich leicht vergiften
Da wir machtlos sind, tragen wir hinaus,
Was wir können und beteuern „Einen Versuch ist es wert“
Wir wählen unsere Henker und überlassen ihnen, was noch bleibt
Jeder trägt ein Kreuz aus Enttäuschung, Zeit und Streit
Wenn man so jung ist wie wir, schlägt man jeden Morgen
Die schweren Lider auf und folgt dem Diktat der höheren Mächte
Die Tafel grinst uns täglich ein nikotinstinkendes Lachen ins Gesicht
Und statuiert ein Exempel der Abhängigkeit
Wir prügeln uns durch unser Dasein
Plärren uns fremde Namen ins Ohr und schreiben sie auf überforderte Haut
Wir hoffen, dass die Freunde nicht rosten werden
Und taufen sie alle paar Jahre „Grund unseres Daseins“
Vorhang auf: Eine Erkenntnis tritt hervor
Und weiß unfehlbar sicher,
Dass wir tun, was wir können und müssen
Ich leb so wohl ich kann.
Und mache das beste draus
Für den Fall aller Fälle
Geben wir zu: wir brauchen Hilfe
Und finden sie unterm Saum der Erfahrung

Den die Existenz selbstgenäht hat aus welken Rosen, denen man „Vergeblichkeit“ tätowiert hat
ins Fleisch, aus Liebe, Ekstase
Den Gesichtern alter Freunde, aus Kopfschmerz, Hass und Kneipenschlägerei
Aus der Überdosis: Leben! Musik und Gebeten, die irgendwie immer falsch
adressiert zu sein scheinen
Frag die Ewigkeit nach meinem Namen
- sie wird sich nicht erinnern
Wir sind inakzeptable Narben in der Haut der Zeit
Das Leben ist ein Tränenkokon, ein Alptraum im Abendkleid
Also lerne aufzuwachen. Genieß uns, solange wir da sind
Die Botschaft schläft im Fleisch, die Wahrheit im Wein
Der Himmel will, dass wir tanzen
Weil er sieht, welche Schatten er auf die Welt geworfen hat
Um dich schweben Wunder – Saug sie auf in diesem Augenblick.
Sei ein Weiterläufer, lass den Soracte draußen erfrieren
Zieh hinaus ins Morgenrot – du hast alles versucht, leg dich zur Ruh.
Ich bin so namenlos wie du.