Philipp Blömeke »in mir babylon.«

Die Welt lärmt … Überall und allerorts wird gelacht. Man lacht über sich selbst und das ist letztlich auch gut so.
Comedians beherrschen die Kultur – affiger, zynischer Klamauk fasziniert die Masse Mensch. Je dümmlicher und geistloser sie die gängigen Klischees bedienen, um so erfolgreicher sind diese Comedians. Die Namensnennung kann ich mir ersparen – man weiß Bescheid. Man lacht nicht um des Lachens Willen, vielmehr, weil man alles der Lächerlichkeit preisgeben kann.
Wie man lacht und über was man lacht definiert eine Gesellschaft und in letzter Instanz auch die Kultur. Doch das Lachen über das, was lächerlich dargestellt wird, ist ein verzweifeltes Lachen, ein Lachen, das die Tatsache unserer Verzweiflung verdrängt – Wo bin ich, bin ich überhaupt wo?
Gestehen wir es uns ein: Wir wissen weder unser Woher noch Wohin!
Und da kommt uns ein Buch in die Hand mit dem Titel „in mir babylon.“. Allein der Titel dieses Lyrikbandes erinnert uns an die in der Bibel berichtete Sprachverwirrung zum Turmbau zu Babel. … „in mir babylon.“ … Und da entdecken wir diese Zeilen:

In mir Babylon
Verwirrt, entehrt
Aus Nod gefloh’n
Ein Exilist wie ich
Auf Asche thront …

Man muss den Atem anhalten und alles Tun beiseite legen. Das ist es, was wir empfinden in unseren wahrhaftigen Augenblicken. … Wir thronen auf Asche … Wir haben Wege ohne Ziele. Der Lyriker Philipp Blömeke mahnt uns zum Aufbruch, erinnert uns daran, dass wir unser Ziel aus den Augen verloren haben … dass das Menschtier zum Menschen werde!
Die zornig-verzweifelte Lyrik dieses Dichters wühlt auf und drückt einen an die Wand der eigenen Existenz: Was tust du? … »in mir babylon.« …
Ich trage dieses Buch in meiner Tasche, es begleitet mich, damit ich stets weiß, dass es im Leben um mehr geht, als bloß den Alltag zu bewältigen:

Schaff den Aufbruch
Über Nacht
Mein Schnee knirscht unter mir …

 

Hartmut Weiler